Der letzte Spieltag der Jugendliga war für uns im Grunde eine gute Zusammenfassung der ganzen Saison: Es gab solide Leistungen, positive Überraschungen, kleine Rückschläge und unterm Strich ein Ergebnis, mit dem man zufrieden sein kann, ohne dass es glücklich macht.
In unserem Nachwuchsteam kamen im letzten Spiel noch einmal zwei Debütanten zum Einsatz: Hannah Ma und Ibrahim Sensan (Foto oben). Eigentlich darf man von Neulingen nicht viel erwarten, sie müssen sich erst einmal an die Turnierbedingungen gewöhnen. Doch diesmal holten ausgerechnet Hannah und Ibrahim die Punkte für unser Team gegen die klaren Favoriten vom OSV 1887.

Hannah spielte an Brett 2 eine konzentrierte Partie ohne nennenswerte Fehler. Zwar gab es hier und dort ein paar Ungenauigkeiten, diese blieben aber ohne Auswirkung, sodass am Ende ein verdientes Remis gegen einen etwa doppelt so alten Gegner stand. Ibrahim kam an Brett 4 zum Einsatz. Er behielt in einer schwierigen Anfangsphase die Nerven, befreite sich, gewann Material und spielte den Vorteil zum Gewinn aus – ein toller Einstand.
An Brett 1 spielte Elisabeth, und wie so oft spielte sie die Eröffnung sicher bis zum Übergang ins Mittelspiel. Dann aber schlichen sich Fehler ein. Zunächst gab sie einen Bauern ab, danach stellte sie einen Läufer ein. Das geschah ohne ersichtlichen Druck des Gegners und entschied schon früh die Partie, da Elisabeth kein Mittel fand, diesen Rückstand noch aufzuholen. In Samuels Partie an Brett 3 bahnte sich eine kleine Sensation an, nachdem sein bis dahin überlegen agierender Gegner im Sekundenschlaf seine Dame für einen Turm hergab. Zunächst konnte Samuel seine Stellung konsolidieren und die Aktivität des Gegners einschränken, dann jedoch unterlief ihm ein gravierender Fehler. Bei einem eigentlich überflüssigen Schachgebot mit dem Turm übersah er die Schlagmöglichkeit des Gegners. Samuel verlor damit seinen Materialvorteil und konnte schließlich den Vormarsch eines Freibauern nicht mehr stoppen − Samuel verlor, die Überraschung blieb aus.
Am Ende hieß es also 1,5-2,5 gegen die 2. Mannschaft des OSV 1887. Eine Niederlage, die ebensogut ein Sieg hätte sein können. Damit beendete das Team die Saison mit dem 6. Platz in der Nachwuchsgruppe. Wir haben keinen Blumentopf, aber einen großen Haufen Erfahrung gewonnen.
In der Meistergruppe trat unser Team in Bestbesetzung gegen den Tabellenletzten aus Kirchhellen an, und wie fast immer in dieser Saison stand am Ende ein 2-2 auf dem Ergebniszettel. Während Jonathan und Simon ihre Partien souverän gewannen, übersah Fedaa an Brett 3 eine mehrzügige Mattkombination des Gegners, und Gabriel an Brett 1 setzte sich gewissermaßen selbst schachmatt – kann passieren, darf aber natürlich nicht.
So reichte das vierte (!) Unentschieden aus fünf Spielen zum guten 3. Platz in der Meistergruppe. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Völlig egal, ob gegen den Tabellenersten oder den Tabellenletzten, wir spielten (bis auf ein 4-0 gegen Dorsten) immer Remis. Wir sind die klaren Remis-Könige. Dabei hätten wir jedes dieser Spiele gewinnen können. Mit anderen Worten, in dieser Saison war für unser Spitzenteam deutlich mehr drin, sogar der Meistertitel. Der 3. Platz ist gut, aber der 1. Platz wäre auch nicht schlecht gewesen. Die Möglichkeit war da, es fehlte bloß etwas mehr Biss, Ehrgeiz und Konzentration. Das Ziel für die nächste Saison muss klar sein: der Meistertitel.

