Hannah und der Großmeister

Hannah und der Großmeister

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Zum 70-jährigen Bestehen des Vereins veranstaltete der SK Hervest-Dorsten 1956 am vergangenen Samstag ein Simultanturnier mit Großmeister Daniel Hausrath. Sehr gerne kam ich der persönlichen Einladung durch den Vorsitzenden Frank Nowok nach und bat mir aus, eines unserer jungen Talente mitbringen zu dürfen – also schickte ich die kleine Hannah Ma ins Rennen.

Großmeister Daniel Hausrath
Daniel Hausrath

Daniel Hausrath ist sicherlich eines der bekanntesten Gesichter der hiesigen Schachszene. Seit vielen Jahren spielt der sympathische Großmeister in der Stadt seiner Geburt für den SV Mülheim-Nord in der Schach-Bundesliga. Für diese Jubiläumsveranstaltung hatte er sich stolze 40 Bretter vorgenommen, die überwiegend mit ehrgeizigen Dorstener Spielern und Spielerinnen besetzt waren. Mittendrin Hannah, ihr Papa, der ebenfalls mitspielen durfte, und ich.

Es ist immer etwas Besonderes, gegen einen Großmeister zu spielen. Zunächst denkt man, dass er gar nicht besser steht. Dann macht er drei harmlos wirkende positionelle Züge, und schon beschleicht einen das Gefühl, dass in seiner Stellung nun alles funktioniert, während man selbst die ersten Zugeständnisse machen muss. Aber hey, eigentlich sieht es noch ok aus! Und nach drei weiteren Zügen bricht dann alles in sich zusammen. Das beschreibt in etwa meine eigene Partie gegen Daniel Hausrath. Als ich dann zu allem Überfluss und ohne wirkliche Not eine Figur einstellte, war der perfekte Zeitpunkt zur Aufgabe gekommen. Wenigstens konnte ich mich mit einem leckeren Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee trösten.

Hannahs Papa, der über keinerlei Turniererfahrung verfügt, geriet bald in materiellen Rückstand. Aber er hatte sich ein klares Ziel gesetzt: wenigstens 30 Züge lang durchhalten! Und dieses Ziel erreichte er. Zu diesem Zeitpunkt konnte er nicht mehr verhindern, dass sich ein gegnerischer Bauer umwandelte, also gab er die Partie auf.

Hannah Ma
Hannah hochkonzentriert

Die erst achtjährige Hannah führte die Partie auf ihre typische Weise mit einer gesunden Vorliebe für Abtausch und Vereinfachung. Da sie erst vor einem Jahr überhaupt mit Schach angefangen hat, ist das – auch gegen einen Großmeister – genau die richtige Herangehensweise, da sie Komplikationen noch nicht so gut durchschaut. Nach einer sehr solide gespielten Eröffnung mit Weiß machte sie ihren ersten Fehler erst, als sie nach einem Bauernvorstoß des Großmeisters statt eines einfachen Verteidigungszugs einen schwierigen Gegenangriff versuchte, der jedoch nach weiterer Abwicklung zu einem Bauernverlust führte.

Vielleicht hätte sie diesen Bauern an anderer Stelle durch eine kleine Taktik sogar zurückgewinnen können, aber Daniel Hausrath spielte im weiteren Verlauf natürlich seine Großmeister-Erfahrung aus, verbesserte seine Stellung Zug um Zug, lehnte freundlich, aber bestimmt Hannahs Remis-Angebot ab, wandelte einen Bauern in eine Dame um und setzte schließlich – nach fünf Stunden Spielzeit – den nunmehr wehrlosen weißen König schachmatt.

Autogramm des Großmeisters
Zum Abschluss ein Autogramm des Großmeisters

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal für die Einladung zu dieser schönen Veranstaltung bedanken und dem SK Hervest-Dorsten und seinen Mitgliedern zum 70. Geburtstag gratulieren. Frank Nowok macht dort seit Jahren eine tolle Arbeit und wird mit seinen Ideen den Verein sicherlich in eine erfolgreiche Zukunft führen.

Frank Nowok
Frank Nowok, stahlender Vorsitzender des SK Hervest-Dorsten 1956