In unserem ersten Match zum Saisonauftakt der Verbandsbezirksliga gegen die 2. Mannschaft der Schachfreunde Kirchhellen konnten wir ein etwas glückliches, aber durchaus verdientes 4:4 erreichen.
Erfreulich war schon vorab, dass wir gleich im ersten Spiel mit unserer Stammformation antreten konnten – allerdings muss man bedenken, dass wir uns gegenüber dem Vorjahr nicht verstärkt haben, im Gegenteil, unser mit Abstand stärkster Spieler begnügt sich vorerst mit einem Platz auf der Ersatzbank. Unser Team setzt daher ganz auf die auch bisher erfolgreiche Mischung aus jugendlichem Drang und gesetzter Spielerfahrung.

Das erste Ergebnis lieferte Swantje an Brett 7. Nun ist sie bekannt dafür, sehr schnell zu spielen, aber diesmal setzte sie noch einen drauf. Sie spielte die Eröffnung ungewohnt aggressiv (siehe Diagramm), verlor jedoch im Mittelspiel etwas den Faden und landete in einem Turmendspiel mit bis zu zwei Minusbauern. Dieses jedoch behandelte sie wieder souverän, wickelte ins Remis ab und eilte schnurstracks zum Bus.
Auch in Simon Pöhlers Partie an Brett 3 (großes Bild oben) wogte es ein wenig hin und her, und eigentlich sah es schon schlechter aus, bis sich Simons Gegner entschied, eine kleine Drohung mit einem großen Turmopfer abzuwehren. Das war alles andere als korrekt, und folgerichtig erholte er sich von dieser materiellen Einbuße nicht mehr. Simon leitete ins vorteilhafte Endspiel über, spulte es sauber ab, wandelte einen Bauern zur Dame um und zwang den Gegner so zur Aufgabe.
Meine eigene Partie war vor allem ein langgezogenes Endspiel. Schon früh wurden die Damen sowie weiteres Material getauscht. Das blieb zunächst – trotz eines Minusbauern für mich – sehr ausgeglichen. Dann aber ging es in ein reines Springer-Bauern-Endspiel über, welches naturgemäß recht kompliziert ist. Da war ich schon fast auf der Verliererstraße, bis mein Gegner eine falsche Entscheidung traf und sich regelrecht vergaloppierte. Er setzte zu einem einsamen Bauernmarsch mit Königsunterstützung am Damenflügel an, doch das erwies sich wegen der schieren Dauer des Plans als die falsche Idee und schenkte mir entscheidende Tempi für zielstrebige Springermanöver, mit denen ich die gegnerischen Bauern am Königsflügel abräumen konnte. Der gegnerische Springer erwies sich schließlich als völlig nutzlos gegen meine so entstandenen zwei Freibauern, während der König tatenlos aus der Ferne zuschauen musste, wie ich mir eine neue Dame holte.
Richtig glatt ging es ausnahmsweise bei Norbert zu. Er spielte mit Schwarz an Brett 2 eine schöne, geradlinige Caro-Kann-Angriffspartie und demonstrierte eindrucksvoll, wofür ein Doppelbauer auf der f-Linie gut ist – für mich die Partie des Tages.
Partie des Tages
Dieser traumhafte Zwischenstand von 3,5:0,5 währte allerdings nur kurz. Sowohl André an Brett 5 als auch Simon Knuf an Brett 6 mussten sich schließlich dem Druck ihrer Gegner beugen. Simon hatte recht früh eine Leichtfigur eingebüßt und rannte fortwährend diesem Rückstand hinterher. André wiederum sah sich einem Königsangriff ausgesetzt, und bekanntlich ist man als Verteidiger immer in der schwierigeren Position. Nach einem unscheinbaren Fehlzug brach dann die Stellung zusammen.
Die dritte schlechte Nachricht erreichte uns vom 1. Brett, wo Joris eine seiner ganz normalen ultrakomplizierten Stellungen mit viel Material auf dem Brett aufbaute – leider auf Kosten seiner eigenen Zeit. Die deutliche Verkürzung der Bedenkzeit hatte bereits in der letzten Saison zu diversen Zeitnot-Szenarien geführt, oft mit glücklichem Ausgang. Diesmal kam es anders. Joris blieben noch fünf Minuten für zwanzig Züge in einer zwar guten, aber eben schwierigen Stellung. Und so kam es, wie es kommen musste: Joris unterlief eine Ungenauigkeit, die der Gegner nicht nur zum schnellen Bauerngewinn nutzen konnte, sondern – viel schlimmer – zum dauerhaften Einbruch in die Stellung. Das war für Joris nicht mehr abzuwehren, und so gab er kurze Zeit später völlig entnervt auf.
Nun spielte nur noch Fedaa an Brett 8, und zwar mit einer Figur weniger, was alle Zuschauer zu der Einschätzung veranlasste, dass diese Partie nicht mehr zu retten sei. Wir hatten uns innerlich gerade mit der knappen Niederlage abgefunden, als der Gegner ein Remisangebot machte, vielleicht aus Zeitmangel, vielleicht auch, weil Fedaa sich so tapfer wehrte – man weiß es nicht, und niemand beschwerte sich.
Mit diesem Remis jedenfalls endete auch der ganze Mannschaftskampf unentschieden 4:4. Für uns ein sehr erfreuliches Ergebnis gegen einen nominell stärkeren Gegner und ein guter Start in die VBL. Jetzt heißt es: an den Schwächen arbeiten, um für das nächste Spiel am 8. November gerüstet zu sein.

