Am gestrigen Sonntag wurde der 4. Spieltag der Bezirksklasse nachgeholt. Wir mussten zum Schlusslicht der Tabelle nach Osterfeld, waren uns aber von vornherein darüber im Klaren, dass wir es mit einem starken Gegner zu tun haben, der bisher einfach sehr viel Pech hatte. Für uns ging es darum, die Tabellenführung zu verteidigen, während die Osterfelder endlich das erste Pünktchen einfahren wollten.
Die Gastgeber starteten auch gleich mit einem schnellen Sieg an Brett 8. Unser Ersatzmann Jürgen Schultz wurde offensichtlich von seinem jugendlichen Gegner auf dem falschen Fuß erwischt, geriet schnell in materiellen Rückstand und fand keine Möglichkeit mehr, die Partie noch zu drehen.
Der Ausgleich ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Routinier Roland Drescher wies seinen ebenfalls jugendlichen Gegner deutlich in die Schranken und setze ihn beinahe mühelos noch im Mittelspiel schachmatt.
An Brett 4 wurde eine ziemlich wilde Partie gespielt. Der Gegner von Simon Pöhler opferte einen Läufer auf g7 für einen Königsangriff, den es letztlich nur in seiner Fantasie gab. Simon nahm das Opfer gelassen an, spielte seinerseits druckvoll gegen den weißen König, bis er aus heiterem Himmel einen Springer einstellte. Damit war das materielle Gleichgewicht wieder hergestellt, Simon behielt aber glücklicherweise die besseren Angriffschancen, gewann wieder einen Turm und ließ sich zum Sieg gratulieren.
Mit der 2:1-Führung waren wir auf dem richtigen Weg, allerdings lief es nicht ganz glatt. An Brett 5 erspielte Swantje sich wie gewohnt eine vorteilhafte Stellung, versäumte dann aber, diesen im Grunde nur ideellen Vorteil in etwas Greifbares umzuwandeln. Stattdessen ließ sie ihren Gegner wieder erstarken, geriet in materiellen Rückstand und musste sogar um den Ausgang der Partie bangen. Zum Glück konnte sie mit scharfem Verstand die folgenden taktischen Verwicklungen nutzen, um den Spieß wieder umzudrehen und in ein leicht vorteilhaftes Endspiel mit Turm gegen Läufer abzuwickeln. Das spielte sie dann wieder so souverän, dass wir nach wenigen Zügen mit 3:1 in Führung gingen.
Auch an Brett 1 lief nicht alles wie geplant. In einer stark positionell geprägten Partie belauerten sich Joris (Foto) und sein Gegner, bis plötzlich das Undenkbare geschah: Joris übersah eine kleine Taktik, durch die er einen Bauern verlor. Sein Gegner nutzte die Gunst der Stunde zum schnellen Damentausch, unterschätzte aber offensichtlich die Kraft des Läuferpaars und die Präzision, welche Joris im Endspiel an den Tag legte. Frei nach dem Motto, dass Material nichts und Aktivität alles bedeutet, schaffte es Joris innerhalb weniger Züge, sich einen unaufhaltbaren Freibauern zu verschaffen, und zwang seinen Gegner zur Aufgabe.
Beim Stand von 4:1 für den TC69 ergab ein kleiner Rundblick über die restlichen drei Partien folgendes Bild: André spielte an Brett 6 mit Vorteil. Ich selbst kämpfte an Brett 3 nicht nur gegen einen zähen Gegner, sondern auch zunehmend gegen die Zeit. An Brett 2 sah es sehr remislich aus, wobei Norbert im Endspiel mit Turm und Springer gegen Turm und Läufer durchaus noch Gewinnideen in Betracht zog.
Dann überstürzten sich die Ereignisse. Zunächst erhob sich an Brett 2 eine kleine Diskussion darüber, dass statt der vorgesehenen 30 Minuten nur 15 Minuten für die zweite Periode an die Spieler vergeben wurde – offenbar war eine falsche Bedenkzeit eingestellt. Dann bot Norberts Gegner ihm ein Remis an. Da dieses Remis den Kampf endgültig für uns entschieden hätte, schlug Norbert dem gegnerischen Mannschaftsführer vor, doch gleich alle drei noch laufenden Partien zu remisieren. Eine kurze Rücksprache mit den Spielern ergab, dass alle einverstanden waren, und so endeten die restlichen drei Partien jeweils mit einem Remis und der Kampf insgesamt mit einem 5,5:2,5 für den TC Sterkrade 1869.
Mit diesem keineswegs leichten Sieg – dem 5. Sieg im 5. Spiel – konnten wir bei noch zwei verbleibenden Spieltagen die Tabellenführung festigen. Da unsere hartnäckigsten Verfolger OSV und Sterkrade-Nord ihre Spiele ebenfalls gewannen, hat sich an der Ausgangslage nicht viel geändert. Am 15. März kommt es zum entscheidenden Spitzenduell zwischen dem OSV und dem TC69. Da kann es noch einmal richtig eng werden.

