Jürgen Schultz

Sieg im Sterkrader Derby

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Am 5. Spieltag der Bezirksklasse empfingen wir unsere Nachbarn aus Schmachtendorf: die Zweitvertretung von Sterkrade-Nord – eine gleichmäßig gut aufgestellte, erfahrene Mannschaft, die als hartnäckiger Verfolger nur einen Mannschaftspunkt in der Tabelle hinter uns lag. Der Kampf war unser erstes Heimspiel im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und zugleich die Premiere für zwei nachgemeldete Ersatzspieler: Paul Brackmann und Jürgen Schultz (Foto).

Paul lieferte an Brett 7 nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit das erste Ergebnis – leider zugunsten seines Gegners. Paul zeigte gute Ansätze, muss sich aber viel mehr Zeit nehmen, um gegen einen erfahrenen Spieler bestehen zu können.

Für Jürgen lief es bei seinem Einsatz deutlich besser. Zwar ließ er sich zunächst ein wenig überspielen und landete in einem Doppelturm-Endspiel mit Minusbauern, doch dann entwickelte er eine ungeahnte Aktivität mit einer schönen Kombination von kontrollierten Bauern- und Turmvorstößen, zwang den Gegner zu Fehlern und gewann schließlich noch die Partie. Glückwunsch zum gelungenen Einstand!

Währenddessen saßen sich an Brett 5 zwei frühere Mannschaftskameraden gegenüber: Uli Broens von Sterkrade-Nord und Swantje Minneken spielten eine ruhige Partie, in der keiner von beiden einen greifbaren Vorteil erarbeiten konnte. Dann unterliefen Uli jedoch ein paar Ungenauigkeiten. Zunächst verlor er seinen wichtigen d-Bauern und verschaffte Swantje damit einen gedeckten Freibauern; dann entblößte er nach einem cleveren Zwischenschach seinen König gerade genug, um Swantje im weiteren Verlauf durch einen Doppelangriff einen Turm und damit die Partie zum Zwischenstand von 2:1 für den TC69 gewinnen zu lassen.

Die Schmachtendorfer ließen aber nicht locker. Meine eigene Partie spielte ich viel zu ungenau, ließ Möglichkeiten zum Eröffnungsausgleich aus und sah mich schließlich einem heftigen Angriff am Königsflügel ausgesetzt. Rein schachpsychologisch ist es selten eine gute Sache, sich in die Defensive drängen zu lassen. Letztlich ging mir dabei zu viel Zeit verloren. Diese fehlte mir dann an entscheidender Stelle, als ich vor der Wahl stand, meine Dame für zwei Türme zu geben, oder eventuell trotz Materialvorteil mit entblößtem König mattgesetzt zu werden. Die mir zu diesem Zeitpunkt mögliche Rechentiefe reichte schlicht nicht aus, um zu erkennen, dass die zweite Möglichkeit bei genauem Spiel die besseren Möglichkeiten bot. So aber konnte mein Gegner seine koordinierte Figurenaktivität clever ausspielen und zwang mich nach weiteren Fehlern zur Aufgabe.

Der Ausgleich zum 2:2 währte allerdings nicht lange. An Brett 4 spielte Simon Pöhler eine richtig gute Partie gegen seinen 300 DZW-Punkte stärkeren Gegner. Im Endspiel mit Dame und Turm für jeden verfolgten die beiden unterschiedliche Herangehensweisen. Während Dirk Ratzkowski mit seiner Dame Bauern einsammelte, verlegte Simon sich auf einen Königsangriff – und diese Entscheidung machte sich bezahlt. Er trieb den gegnerische König mit Mattdrohungen in die Enge und sicherte sich in jedem Fall ein Dauerschach. Doch dann endete die Partie abrupt, als sein Gegner nach einigen längeren Grübeleien die Bedenkzeit überschritt.

Beim Stand von 3:2 liefen noch drei Partien, und eigentlich sah es an allen drei Brettern ganz gut für uns aus. Joris hatte an Brett 1 ein Endspiel mit einem isolierten Mehrbauern erreicht. Er hätte noch ewig auf Sieg spielen können, einigte sich dann aber mit seinem Gegner auf Remis zum Stand von 3,5:2,5.

Nobert traf an Brett 2 in einer positionell geführten Partie auf erbitterten Widerstand und musste in einem Bauernendspiel mit gleichfarbigen Läufern auf seine jahrzehntelange Spielerfahrung vertrauen. Diese enttäuschte ihn nicht. Ein paar kleine Ungenauigkeiten des Gegners reichten zum entscheidenden Vorteil, der unserem Team den vorzeitigen Sieg beim Stand von 4,5:2,5 einbrachte.

Nun lief bloß noch eine Partie, und die war bis zum Schluss heftig umkämpft. André Stuhrmann sah sich hier der starken Schach-Seniorin Ursula Kosslowski (Jahrgang 1941) gegenüber. Lange Zeit sah es auch gut für André aus, er konnte sogar eine Figur gewinnen – doch das entfachte den legendären Kampfgeist seiner Gegnerin. Mit einem Bauernsturm am Damenflügel zwang sie Andrés Figuren in eine passive Defensive, die es ihr ermöglichte, weitere Bauern zu gewinnen. Am Ende schlug die Materialwaage schon deutlich zugunsten der Nordlerin aus, auf der anderen Seite blieb ihr kaum noch Bedenkzeit, und so einigte man sich – da der Kampf bereits entschieden war – nach mehr als fünf Stunden Spielzeit auf ein Remis zum Endstand von 5:3 für den TC Sterkrade 1869.

Mit diesem hart erkämpften Sieg konnten wir einen unserer stärksten Verfolger in die Schranken weisen und liegen in der Tabelle nun 2 Punkte vor dem OSV bzw. 3 Punkte vor Sterkrade-Nord. Am 22. Februar wird zunächst die verschobene 4. Runde (gegen Osterfeld) nachgeholt, bevor wir dann am 15. März beim OSV antreten müssen.

Übersicht Bezirksklasse